Ich muss dir etwas gestehen. Seit ungefähr vier Wochen zeigt meine Waage mehr an als vorher. Ein paar Kilo sind es geworden. Und das ausgerechnet bei mir: bei der Frau, die 45 Kilo abgenommen hat, die über Gewicht halten schreibt und die anderen Menschen dabei begleite.
Ich hätte diesen Beitrag auch einfach nicht schreiben können. Niemand hätte es gemerkt. Aber dann wäre ich nicht ehrlich zu dir. Und das ist das, was ich dir versprechen kann.
Also: Ja, mir passiert das auch. Ich erzähle dir, warum, was ich daraus gelernt habe und was ich jetzt mache.
Früher waren es 40 Kilo, heute sind es 5 Kilo
52 Jahre lang hat das Übergewicht mein Leben bestimmt. Bei 140 Kilo war ich an meinem tiefsten Punkt. Mein Gewicht hat damals nicht nur ein bisschen geschwankt. Es ist um 40 Kilo rauf und runter gegangen: Diät, abnehmen, zunehmen, nächste Diät. Und jedes Mal kam ein Stück mehr Scham dazu. Wie ich da herausgefunden habe, erzähle ich dir in 45 Kilo abnehmen: meine Erfahrungen.
Heute schwankt mein Gewicht um etwa 5 Kilo. Das ist für mich der eigentliche Erfolg. Nicht, dass die Waage nie wieder nach oben geht. Sondern dass ich nicht mehr abstürze. Ich merke es früher, ich weiß, was los ist, und ich weiß, was ich tun kann.
Das Gewicht zu halten, heißt nicht, für immer eine gerade Linie zu haben. Es heißt, dass du zurückfindest, bevor aus 5 Kilo wieder 40 werden.
Gewicht halten: Warum unser Körper anders reagiert
Kommt dir das bekannt vor? Früher reichte es oft, zwei Tage lang etwas kürzerzutreten, und die Waage zeigte wieder weniger an. Heute, mit über 60, spielt der Körper nach anderen Regeln. Der Grundumsatz sinkt, wir verlieren leichter Muskeln, hormonelle Umstellungen verändern die Fettverteilung, und jede Stressphase fordert ihren Tribut. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Muskelabbau ab 60 stoppen.
Wenn wir dann noch mit derselben Strenge reagieren wie mit 30, landen wir direkt in der Frustfalle. Unser Körper braucht jetzt keine Strafe. Er braucht Verständnis.
Wenn mein Krieger die Zügel übernimmt
Das Verrückte ist: Ich habe nicht zugenommen, weil ich das Thema vernachlässigt habe. Ich habe zugenommen, weil ich mich zu viel damit beschäftigt habe. In den letzten Wochen liefen die Fäden heiß. Tag und Nacht habe ich über Abnehmen, Essen und Gewicht halten geschrieben, Kurse entwickelt, Seiten gebaut und Texte formuliert.
Wenn ich mir meinen inneren Schutztyp anschaue, wird mir klar, was da passiert ist. Bei mir ist der Krieger besonders stark. Er will machen, durchhalten, Verantwortung tragen und die Dinge voranbringen. Und kennst du seine Eigenschaft in diesem Zusammenhang? Wenn der Krieger im Tun ist, vergisst er schlichtweg zu essen. Wie deine Schutztypen dein Essverhalten steuern, liest du in Dauerhaft schlank bleiben: Die drei inneren Kräfte.
Wer das Essen vergisst, nimmt ab? Bei mir war es genau umgekehrt
Jetzt könnte man meinen: Wer das Essen vergisst, müsste doch abnehmen. Genau das Gegenteil ist passiert. Ich habe den ganzen Tag nichts gegessen, und am Abend kam der große Hunger.
Dazu kam, dass ich mich in diesen Wochen kaum bewegt habe. Ich saß von morgens bis abends am Laptop, und mein Laufband stand still. Auf meine Eiweißzufuhr und auf gesunde Lebensmittel habe ich auch nicht mehr geachtet.
Den ganzen Tag hungern, abends zu viel essen, keine Bewegung und zu wenig Eiweiß: Genau diese Mischung bringt die Waage nach oben, gerade ab 60, wenn der Körper ohnehin schneller Muskeln abbaut und weniger verbraucht.
Vor lauter Freude an meiner Arbeit, vor lauter Machen und Schaffen, habe ich mich selbst hintangestellt. Dahinter stand kein alter, fremder Glaubenssatz, sondern eine ganz einfache Wahrheit: Ich habe mich in diesem Moment selbst nicht ernst genug genommen.
Wenn das Tun und die Begeisterung so laut sind, geraten die eigenen Grundbedürfnisse und die feste Struktur in den Hintergrund. Es war also kein Disziplinproblem. Ich habe meine eigenen Grenzen überrollt, aus purer Arbeitsfreude und Hingabe.
Früher Abwärtsspirale, heute Aufwärtsspirale
Früher hätte ich nach vier Wochen und ein paar Kilo mehr Folgendes gedacht:
- „Jetzt ist eh alles egal.“
- „Ich schaffe das nie.“
- „Ich habe einfach keine Disziplin.“
Und dann hätte ich weitergegessen. Aus Frust, aus Trotz, aus Traurigkeit. So entsteht der Jo-Jo-Effekt: nicht auf dem Teller, sondern im Kopf. Die Kilos sind nicht das Problem. Das Problem ist das, was wir uns über die Kilos erzählen.
Früher landete ich sofort in der Abwärtsspirale: Selbstkritik führte zu Frust, Frust zum Aufgeben, Aufgeben zu mehr Gewicht. Heute steige ich ganz bewusst in die Aufwärtsspirale ein. Ich sehe die Situation nicht als Versagen, sondern als wertvolles Feedback. Ich schaue hin, korrigiere den Kurs und richte meinen Blick auf das, was mir jetzt guttut.
Was meine Ausbildung zur Mindset-Coachin in mir verändert hat
Dass ich heute so reagieren kann, ist kein Zufall. Mit 63 war ich in Rente und stand vor einem Scherbenhaufen. Eines wusste ich aber genau: Ich wollte auf keinen Fall nur auf dem Sofa sitzen. Ich wollte noch etwas mit meiner Zeit anfangen, das Sinn hat. Also habe ich mit der Ausbildung zur Mindset-Coachin begonnen. Ein Jahr später war ich zertifiziert. Für mich war das ein Neuanfang, und zwar nicht nur beruflich.
In der Ausbildung habe ich mit Archetypen gearbeitet, mit den 12 Archetypen nach C. G. Jung und den Überlebensarchetypen nach Caroline Myss. Zum ersten Mal habe ich wirklich verstanden, welche inneren Muster mein Verhalten steuern, auch mein Essverhalten. Dazu kamen Glaubenssätze, die oft jahrzehntelang im Hintergrund mitgegessen haben, die Emotionen hinter dem Griff zum Essen und viel Selbstreflexion. Durch Meditation habe ich gelernt, innezuhalten, bevor ich reagiere.
Das hat meine ganze mentale Einstellung verändert. Früher war mein Kopf mein strengster Richter. Heute ist er mein Verbündeter. Ich frage mich nicht mehr, was ich essen darf. Ich frage mich, welches Muster gerade hinter meinem Essverhalten steckt. Genau so arbeite ich heute auch mit meinen Klientinnen.
Die Kilos können zurückkommen, aber die alte Hoffnungslosigkeit kommt nicht mehr mit. Das neue Mindset greift heute wie ein gut geölter Mechanismus, gerade dann, wenn ich es am meisten brauche.
Wenn du wissen möchtest, wie ich mit 63 noch einmal ganz neu angefangen habe, erzähle ich dir das auf meiner Seite Mit 63 noch einmal neu anfangen: So wurde ich Coachin.
Achtsamkeit statt Selbstkritik
Heute schaue ich auf meine Waage und sage mir: „Aha. Da ist etwas los. Schauen wir mal hin.“ Kein Drama, keine Strafe, kein Hungern ab morgen. Das ist für mich der Kern von Achtsamkeit beim Gewicht halten.
Achtsamkeit heißt nicht, sich alles schönzureden. Es heißt, wahrzunehmen, was gerade ist, ohne sofort zu urteilen. Wie geht es mir? Was brauche ich gerade? Wann habe ich das letzte Mal in Ruhe gegessen? Und es heißt, so mit dir zu sprechen, wie du mit einer guten Freundin sprechen würdest. Würdest du einer Freundin sagen, sie habe versagt, weil sie in einer Phase voller Schaffenskraft ein paar Kilo zugenommen hat? Sicher nicht. Du würdest sagen: „Du hast großartige Arbeit geleistet. Jetzt darfst du wieder gut für dich sorgen.“
Genau diese Haltung nehme ich jetzt ein. Mehr dazu, wie du freundlicher mit dir umgehst, liest du in Abnehmen ab 60: raus aus dem Essdruck.
Gewicht halten: Meine 4 Schritte, wenn die Waage steigt

1. Achtsam hinschauen statt wegschauen
Ich stelle mich auf die Waage, auch wenn ich es nicht gern tue. Was ich nicht anschaue, kann ich nicht verändern.
2. Das Muster erkennen
Wann verliere ich meine Struktur? Bei mir ist es dann, wenn mein Krieger im Außen Großes erschaffen will und die Fürsorge für mich selbst vergisst.
3. Das neue Mindset aktivieren
Statt in die alte Abwärtsspirale aus Frust zu rutschen, lenke ich mich bewusst in die Aufwärtsspirale: freundlich, lösungsorientiert und klar.
4. In kleinen Schritten zurück in meine Struktur
Keine Diät, kein Verzichtprogramm. Stattdessen:
- feste Essenszeiten über den Tag verteilt, damit der Heißhunger am Abend gar nicht erst entsteht
- genug Eiweiß und gesunde Lebensmittel bei jeder Mahlzeit
- langsam und bewusst kauen, ohne Laptop daneben
- jeden Tag Bewegung, und wenn es nur eine Runde auf dem Laufband ist
- echte Pausen und abends rechtzeitig den Laptop zuklappen
[Bild einfügen – Dateiname: gewicht-halten-ab-60.jpg – Alt-Text: Gewicht halten ab 60 mit Achtsamkeit – Hannelore Lechner]
Vielleicht kennst du das auch: Du hast abgenommen, warst stolz auf dich, und jetzt schleichen sich die Kilos langsam zurück. Vielleicht, weil du dich im Alltag oder in deiner Begeisterung für andere Dinge selbst übergangen hast. Dann bist du hier genau richtig. Du bist nicht allein, und du hast nicht versagt.
Was ich dir mitgeben möchte
Dauerhaft schlank bleiben heißt nicht, nie wieder zuzunehmen. Es heißt, dass du dich selbst nicht mehr fallen lässt, wenn es passiert. Dass du nicht wieder bei null anfängst, sondern da weitermachst, wo du gerade stehst.
Ich bin über 60, arbeite seit Jahren an meinen Mustern und habe gelernt, wie sehr ein starkes Mindset mich trägt. Und trotzdem holen mich meine Muster manchmal ein, gerade dann, wenn ich mit vollem Herzen brenne. Das ist kein Grund zum Aufgeben. Es ist der Beweis, dass es nie um Perfektion geht. Es geht darum, achtsam zu bleiben, die Aufwärtsspirale zu wählen und sich selbst wieder wichtig zu nehmen.
Dein Gewicht ist kein Disziplinproblem. Es ist ein Muster. Und Muster lassen sich in jedem Alter verändern. Auch ein zweites Mal. Auch ein drittes Mal.
Häufige Fragen
Warum nehme ich zu, obwohl ich tagsüber kaum esse?
Wer tagsüber Mahlzeiten auslässt, bekommt am Abend oft großen Hunger und isst dann schnell und viel. Fehlen zusätzlich Bewegung und Eiweiß, baut der Körper leichter Muskeln ab und verbraucht weniger Energie. Gerade ab 60 braucht der Körper eher mehr Eiweiß als früher, das empfiehlt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Regelmäßige Mahlzeiten mit genug Eiweiß bringen hier meist mehr als jede Diät.
Ist es normal, nach dem Abnehmen wieder zuzunehmen?
Ja. Gewicht ist keine gerade Linie. Entscheidend ist nicht, dass die Waage nie mehr nach oben geht, sondern dass du früh bemerkst, was los ist, und gegensteuerst, bevor aus ein paar Kilo wieder viele werden.
Warum ist Gewicht halten ab 60 schwerer als früher?
Der Grundumsatz sinkt, Muskeln bauen sich leichter ab und hormonelle Veränderungen wirken auf die Fettverteilung. Dazu kommen Stress und veränderte Routinen. Das alles ist kein persönliches Versagen, sondern eine Einladung, deine Struktur an deinen Körper von heute anzupassen.
Muss ich wieder eine Diät machen, wenn die Kilos zurückkommen?
Nein. Eine neue Diät startet oft genau die Abwärtsspirale, aus der du raus willst. Hilfreicher ist es, das Muster hinter der Zunahme zu erkennen und in kleinen Schritten in deine Struktur zurückzufinden.
Wie hilft mir Achtsamkeit beim Gewicht halten?
Achtsamkeit schafft einen kleinen Raum zwischen Impuls und Handlung. Du bemerkst früher, wenn du müde, gestresst oder ganz im Tun versunken bist, und kannst bewusst entscheiden, was du jetzt wirklich brauchst, statt automatisch zu reagieren.
Was hat mein Schutztyp mit meinem Gewicht zu tun?
Jeder von uns hat innere Schutztypen, die in Stress oder Begeisterung das Steuer übernehmen. Der eine isst zum Trost, der andere vergisst das Essen ganz. Wenn du deinen Schutztyp kennst, verstehst du, warum du in bestimmten Phasen aus der Balance gerätst.
Dein nächster Schritt
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Mehr zum Thema Gewicht halten ab 60 erfährst du in Dauerhaft Gewicht halten (Teil 1) und Gewicht stabil halten (Teil 2).
Du willst nicht allein zurückfinden? Dann ist ein kostenfreies 30-minütiges Kennenlerngespräch ein guter erster Schritt.
Und jetzt bist du dran: Kennst du das auch, dass die Kilos zurückkommen, weil du vor lauter Begeisterung vergessen hast, für dich selbst zu sorgen? Schreib es mir in die Kommentare. Ich lese jeden einzelnen.
Liebe Grüße bis zum nächsten Mal
Deine Hannelore