Ich habe mir überlegt, wie ich abnehmen im Rollstuhl umsetzen kann.
Bevor ich überhaupt die ersten praktischen Schritte gehen konnte, musste ich erst einmal Struktur in mein Chaos bringen. Ich merkte schnell: Nur wenn mein Alltag klare Konturen hat, finde ich meine mentale Energie für die großen Veränderungen.
Deshalb habe ich mich – ganz in Ruhe – hingesetzt und meinen Tagesablauf schonungslos auseinandergenommen. Mit Stift und Papier habe ich feste, realistische Zeiten für alles Wesentliche festgelegt:
- Das Notwendige: Schlaf, Essen, Einkaufen
- Die Pflichten: Hausarbeit und alltägliche Erledigungen
- Das Schöne: Meine Freizeit und die festen Termine mit Freunden
Diese einfache, aber klare Struktur war wie ein mentaler Befreiungsschlag. Plötzlich war der Tag nicht mehr ein undurchdringlicher Berg von Aufgaben. Stattdessen wusste ich genau, wann ich mich um was kümmern musste – und ebenso wichtig: wann ich Pause machen durfte. Dieses Fundament aus Ordnung gab mir endlich den Freiraum, in dem Veränderung überhaupt erst möglich wurde.
Der mentale Neustart
Diese Strategie war entscheidend für mein Ziel, das abnehmen im Rollstuhl zu erreichen.
Mit diesem neuen Fundament konnte ich mich den inneren Hürden stellen. Die größten waren drei Glaubenssätze, die mich jahrelang blockiert hatten.
Ich musste erst meine eigene Definition von „Sport“ neu schreiben. Für mich war das immer gleichbedeutend mit Leistung und jungem Elan. Das passte nicht zu mir. Also definierte ich es um: Sport wurde für mich zu jeder bewussten Bewegung, die meinen Körper aus der Starre holt. Ob Arme kreisen im Sitzen oder fünf tiefe Atemzüge an der Luft – alles zählte.
Zweitens musste ich die Perfektionismus-Falle entschärfen. Mein Leben lang funktionierte ich nach dem „Ganz oder gar nicht“-Prinzip. Jetzt lernte ich: Fünf Minuten sind besser als null. Ein Glas Wasser mehr ist ein Erfolg. Ich erlaubte mir, unperfekt zu beginnen.
Die dritte und schwerste Hürde war die Scham. Die Scham, in meinem Rollstuhl gesehen zu werden, wenn ich mich anstrenge. Ich gab dieser Scham einen Namen und sprach sie bei meiner Therapeutin laut aus: „Ich schäme mich dafür, wie ich aussehe, wenn ich kämpfe.“ Allein das auszusprechen, ließ ihre Macht schwinden.
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass abnehmen im Rollstuhl anders gestaltet werden muss. Nicht überall sind Zugänge möglich!
gewichtsreduktion mit Bewegungseinschränkung
Die kleinen Schritte, die ich mache, sind ein Beitrag zum Thema abnehmen im Rollstuhl.
Wenn man die üblichen Fitness-Tipps liest, heißt es oft: „Geh einfach dreimal die Woche joggen oder ins Fitnessstudio.“ Für mich klang das wie ein schlechter Scherz. Meine Knie, meine Hüfte und mein Rücken waren von der jahrzehntelangen Last gezeichnet.
Ich war davor sogar öfter in Fitnesscentern, um etwas zu tun – aber ich durfte dort einfach nicht trainieren, weil die Studios und die Geräte für meinen Elektrorollstuhl nicht zugänglich waren. Es war für mich schlicht unmöglich, dort zu arbeiten. Aber ich habe mich davon nicht aufhalten lassen: Aus diesem Grund habe ich mir ein eigenes Laufband für zu Hause gekauft. Ich bin dann immer wieder mal aus meinem Rollstuhl aufgestanden und habe versucht, ein paar Minuten auf dem Laufband zu gehen. Diese kleinen Versuche waren mein erster Akt des Widerstands gegen die Einschränkungen.
Gemeinsam können wir das Thema Abnehmen trotz Bewegungseinschränkung voranbringen und unsere Erfahrungen teilen.
Die Praxis: Kleine Verträge mit mir selbst
Ausgestattet mit meiner neuen Struktur und Mentalität begann die Praxis – mit einem lächerlich kleinen Vertrag. Meine Therapeutin schlug vor: Hannelore, „Verpflichte dich für 14 Tage zu fünf Minuten Bewegung am Tag. Mehr nicht.“
Und so sah es aus:
- Woche 1: Sitzgymnastik. Schulterkreisen vorwärts und rückwärts – und staunen, wie verklebt alles war.
- Woche 2: Im Sitzen den Fuß wenige Zentimeter anheben, halten, senken. Nach fünf Wiederholungen brannten die Oberschenkel.
- Woche 3: Arme und Beine kombinieren und dabei bewusst atmen.
Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, abnehmen im Rollstuhl in meinen Alltag zu integrieren.
Der erste Ausflug in die Natur
Das nächste Ziel lag 300 Meter entfernt: eine Parkbank. Mein Plan: Mit dem Elektro-Rollstuhl hinzurollen, mich an der Lehne festhalten, 30 Sekunden lang stehen und atmen, zurückrollen.
Manchmal war die Schmerzgrenze schon an der ersten Ecke erreicht. An guten Tagen blieb ich fünf Minuten sitzen und hörte den Vögeln zu. Diese winzigen Ausflüge wurden zu meiner wichtigsten Quelle für Lebensqualität. Sie waren mehr als Bewegung; sie waren ein Wiedersehen mit der Welt.
In der Gemeinschaft: Ich war nicht mehr „die vom Rollstuhl“
Der transformativste Ort war die Gruppe. Wir waren zu zehnt, alle mit massivem Übergewicht und eigenen Kämpfen. Hier war mein Rollstuhl nur ein Detail unter vielen. Ich war nicht die Exotin, ich war Hannelore, deren Schulterkreisen heute flüssiger aussah.
Ich habe erkannt, dass abnehmen im Rollstuhl auch eine Frage der Einstellung ist.
Unser Applaus galt nicht Kilometern oder Kilos, sondern dem Mut, erschienen zu sein. „Hannelore, du bist bis zur zweiten Bank gerollt! Großartig!“ Dieser Zuspruch für meine 50 Extra-Meter war ehrlicher und wertvoller als alles andere.
Die Eine-Änderung-pro-Woche-Strategie
Parallel baute ich mit derselben Geduld meine Ernährung um. Statt radikalem Plan folgte ich einer simplen Regel: Eine Veränderung pro Woche.
- Woche 1: Zu jeder Mahlzeit ein großes Glas Wasser
- Woche 2: Jedes Hauptgericht bekam eine Faust voll Gemüse dazu
- Woche 3: Das süße Müsli wurde gegen Haferflocken mit Zimt getauscht
- Woche 4: Ich aß ohne Fernseher und Handy – nur mit dem Essen beschäftigt
Jede Woche war eine machbare Herausforderung, die sich nicht wie Verzicht, sondern wie eine neue, gute Gewohnheit anfühlte.
Meine vier wichtigsten Erkenntnisse
Meine Erfahrungen mit abnehmen im Rollstuhl haben die Sichtweise auf mein Leben verändert.
- Konsequenz schlägt Intensität. Fünf Minuten täglich bringen weiter als eine heroische Stunde, die einen für Wochen lahmlegt.
- Höre auf die Sprache deines Körpers. Das Brennen eines arbeitenden Muskels ist anders als der stechende Warnschmerz eines Gelenks. Auf Letzteren höre ich sofort.
- Gemeinschaft heilt Scham. Geteilter Kampf nimmt das Gewicht der Einsamkeit und des Selbstzweifels.
- Jeder noch so kleine Sieg ist ein Baustein. Der Weg zur Bank, das Glas Wasser – das sind die realen Fundamente der Veränderung.
Abnehmen im Rollstuhl ist kein einfacher Weg, aber er ist möglich.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Wenn du heute vor deinem eigenen Berg stehst und denkst, der erste Schritt sei unmöglich, dann erinnere dich an meine fünf Minuten. Du musst den Gipfel nicht heute sehen. Du musst nur heute das tun, was in deiner Kraft steht. Einen Schritt, der zu dir passt.
Das ist kein Kampf gegen deinen Körper. Es ist der Beginn einer Zusammenarbeit. Und das ist, in Wahrheit, ein Akt der größten Selbstfürsorge.
Alles Liebe und viel Kraft für deinen ersten, kleinen Vertrag mit dir selbst, Hannelore